Kontrolle besser als Vertrauen?

Die Bundesliga Saison 2009/2010 ist gerade mal einen Spieltag alt, da kommt sie schon wieder auf, die Diskussion um Torkameras. Folgerichtig ist die Diskussion um den Videobeweis während laufender Partien nur um die Ecke. Diskussionen, an denen sich die Geister scheiden.

Tatsache ist, dass das fußballerische Geschehen auf dem Rasen-grün über die letzten Jahrzehnte enorm an Schnelligkeit und Spritzigkeit gewonnen hat. Die Profis werden heutzutage mehr denn je auf Leistung getrimmt. Früher war ein guter Fußballer vor allem ein guter Fußballer und ohne jeden Zweifel sportlich. Heutzutage sind die Profis im hochklassigen Fußball allerdings richtige Athleten. Brutale Konditionseinheiten, Leistungszentren, spezielle Trainer für Kondition und Ernährung sowie Übungen, um auf den Punkt genau konditionell in Höchstform zu sein … Wer schon früh durch ein großes Talent auffällt, der durchläuft all diese Dinge bereits von der Jugend an. Und auch das Spielgeschehen hat sich dem angepasst (oder umgekehrt?). Heute sind lange und weite Bälle a la “Kick and Rush“ weitgehend verpönt. Das schnelle, direkte, spritzige Kurzpassspiel wird heute mehr und mehr zum Vorbild für gleichermaßen ansehnlichen sowie erfolgreichen Fußball. Hinzu kommt eine erhöhte Laufbereitschaft (auch ohne Ball) sowohl in der Defensive als auch in der Offensive.

Es hat sich taktisch sowie körperlich einiges getan. Schnelligkeit, Effizienz, direktes Spiel und Laufstärke sind die Kardinals-Tugenden. Die Spieler haben sich dem angepasst. Doch leider sind die meisten Schieris mit der Sinnesschärfe ganz normal Sterblicher ausgestattet. Und einem schnellen Ball auf den Fersen zu bleiben, fällt so manchem Schiedsrichter zweifelsohne schwerer, als einem geübten Verteidiger. Und so kommt es bisweilen zu Fehlentscheidungen. Im Grunde genommen geschieht dies aus denselben Gründen wie eh und je. Jedoch hat sich die Problematik verschärft. Und technische Lösungen, wie eben Torkamera und das Heranziehen des Videobeweises während der Partie, sind heute weitgehend problemlos umsetzbar. Zusätzlich befeuert werden die Befürwortungen für diese Maßnahmen von den Schiedsrichter-Skandalen, die ja noch nicht so lange zurückliegen.
Zweifelsohne würden Torkamera und Videobeweis die Fehlerquote der Schiedsrichter insgesamt senken. Fehlentscheidungen wären nahezu ausgeschlossen, könnte man doch in strittigen Situationen stets den Videobeweis oder ggf. die Torkamera heranziehen. Doch will ein Fußballfan das so sehr?

Denn zwei Dingen wiederum, wären diese Sicherheitsmaßnahmen abträglich. Fußball ist ein Spiel, das sehr von seinem nahezu lückenlos fortlaufenden und ausgedehnten Spielfluss lebt. Dieser ist ein integraler Bestandteil des dramatischen Fußballgeschehens. Würden nun diese Maßnahmen eingeführt, so würde kaum ein Schiedsrichter riskieren, trotz des Vorhandenseins dieser Maßnahmen einen Fehler zu machen. Wenn diese Kontrollen erst einmal da wären, würden sie auch konsequent genutzt werden. Und dies würde sich wiederum in längeren Spielverzögerungen niederschlagen. Der andere Punkt hat auch mit der Dramatik zu tun. Gehört die Möglichkeit einer Fehlentscheidung, möglicherweise gar einer im Nachhinein Spiel entscheidenden, nicht auch zum Fußball? Man denke an das Wembley Tor oder an das Tor der Bayern, das ihnen einst die Meisterschaft sicherte, obwohl der Ball am Tor vorbeikullerte. Solch klassische Momente, die noch heute Gesprächsstoff liefern, kamen erst auf Grundlage von Fehlentscheidungen zustande. Und ringt es einem Fan nicht gerade mehr Anerkennung ab, wenn ein Schiedsrichter (wie Schiedsrichter Legende Pierluigi Collina) nur selten oder gar nahezu nie falsch liegt, und dies nur mit Hilfe seiner Eindrücke, Intuition und Linienrichter Kollegen bewältigt?

888sport wird diese gegenwärtige Diskussion weiterverfolgen. Schließlich könnten auch unsere Wettquoten eine Änderung erfahren, wenn die schwer zu kalkulierende und kaum fassbare Größe der “möglichen Fehlentscheidungen“ ersatzlos gestrichen wird.