
Die Wirtschaftskrise ist ein nahezu allgegenwärtiges Thema. Umso verblüffender, dass man der Bundesliga in dieser Hinsicht gar nichts anmerkt. Im Gegenteil! Im Vorfeld der Saison 2009/2010 gaben die Vereine der ersten Bundesliga bis dato 183.450.000 € aus. Das ist – bezogen auf die Transferausgaben, die im Vorfeld einer Saison getätigt wurden – mehr als je zuvor! Ehedem stand die Rekordmarke für Bundesliga Transferausgaben vor Saisonbeginn bei rund 170 Millionen (im Vorfeld der Saison 2007/2008). Mit 183.450.000 € sind die Ausgaben im Vorfeld dieser Saison jetzt schon fast so hoch, wie sie es im Vorjahr über die ganze Saison hinweg waren (2008/2009 lagen die Ausgaben nach Saisonablauf bei 185,820,000 €). Ist die Krise in der Bundesliga also schon längst überwunden oder wie ist diese Rekordmarke zu erklären? Schauen wir uns einige der bemerkenswertesten Transfers und diesbezügliche Zahlen im Detail an.
Das meiste Geld gaben mal wieder die Bayern aus. Mit über 50,7 Millionen € griffen sie deutlich tiefer für Neuzugänge in die Taschen, als irgendein anderer Verein. Den Löwenanteil daran hat natürlich Mario Gomez (Ablöse 30 Millionen) beansprucht. In München hat man somit die Qual der Wahl, wer vorne stürmt. Schließlich sind Miroslav Klose und Luca Toni ja auch noch da. Ein weiterer bemerkenswerter Zugang bei Bayern München ist Anatoliy Tymoshchuk. Er kam für elf Millionen von Zenit St. Petersburg. Der hoch dekorierte Ukrainer wird das Mittelfeld verstärken. Lukas Podolski verließ hingen die Bayern. Bekanntermaßen Richtung Köln, wo er neben dem Portugiesen Maniche (der ablösefrei von Real Madrid nach Köln kam) eine vitalisierende Verstärkung für die Geißböcke darstellen dürfte. Des Weiteren verließ der Brasilianer Lucio die Bayern Richtung Madrid. Der verdiente Abwehrspieler wird für das Erste sicherlich eine Lücke hinterlassen. Weit weniger dürfte die Bayern der Abschied von Tim Borowski bedrücken. In Bayern war er gewissermaßen nur einer unter vielen. Also besann sich Tim Borowski auf seine Wurzeln und kehrte nach Bremen zurück. Für “schlappe“ 750.000 € ließen die Bayern ihn ziehen.
Gut möglich, dass Borowski in Bremen gefragt sein wird. Trennte man sich dort doch tatsächlich von Diego, der nun für Real Madrid kickt. Die Ablöse von 24,5 Millionen ist da natürlich ein hinnehmbares Trostpflaster. Einen Teil davon haben die Bremer gleich in das junge Talent Marko Marin investiert, der von Gladbach kam. Beim Deutschen Meister, dem VfL Wolfsburg, gab man mit 22,6 Millionen weniger für Neuzugänge aus als im Vorjahr. Bemerkenswert ist dabei der Nigerianer Obafemi Martins. Scheinbar ist man in Wolfsburg der Ansicht, dass zwei exzellente Stürmer (über die man mit Grafite und Dzeko ja schon verfügt) nicht genug sind. Dann doch lieber drei davon! In Stuttgart hingegen hielt man sich mit größeren Ausgaben zurück, auch wenn die 30 Millionen für Mario Gomez eigentlich Spielraum geboten hätten. Auch in Berlin hält man an den bewährten Leistungsträgern fest. Außer an Simunic – dieser wechselte für sieben Millionen nach Hoffenheim und ist dort somit der teuerste Neuzugang. Weniger bescheiden waren die Hamburger. Sie gaben mit 24,9 Millionen den nächst größten Betrag nach den Bayern aus. Der Großteil dessen schlug für zwei junge Stürmer (beide 22 Jahre alt) aus der holländischen Ehrendivision zu Buche. Marcus Berg (schwedische Abstammung, kam für 10 Millionen vom FC Groningen) und Eljero Elia (Holländer; kam für 9 Millionen vom FC Twente) sollen im Sturm des HSV nun für frischen Wind sorgen. Auf Schalke gab man mit 4,9 Millionen Euro deutlich weniger für Neuzugänge aus als in den beiden Vorjahren. Kein Wunder! Hat man sich mit der Personalie Felix Magath ja die Trainerfrage schon so einiges kosten lassen. Lokalrivale Dortmund gab mit 9,4 Millionen bald doppelt soviel aus.
Während in den Transferfragen schon viele Würfel gefallen sind, ist spielerisch alles noch so offen wie das sprichwörtliche Scheunentor. Am ersten Spieltag werden nun alle Mannschaften das erste Mal in der Bundesliga mit ihren aufgefrischten Kadern auflaufen und versuchen, ihren Stich zu machen. Wenn auch Sie ihren ersten Stich machen wollen und vielleicht schon den einen oder anderen Neuzugang länger auf dem Radar haben, dann bringen auch Sie ihren Einsatz hier bei 888sport. Die Jungs auf dem Rasen tun dies ganz gewiss (meistens jedenfalls).