
Die Adler Mannheim blicken, wenn man die letzten dreißig Jahre bedenkt, auf eine tolle Zeit zurück. Sie sind heute Rekordmeister der DEL (Deutsche Eishockey Liga) und spielen dementsprechend meist eine Rolle in den oberen Gefilden der Liga. Finanziell steht man ebenfalls gut da und erfreut sich eines vergleichsweise robusten Zuschauerschnitts. Gerade dies – der Fanzuspruch – ist ja etwas, wo viele andere Eishockeyclubs hierzulande eher Probleme haben. Nicht so jedoch die Adler aus Mannheim. 888sport blickt zurück auf die Wurzeln der einstigen MERC und zeichnet die Erfolgsgeschichte der Mannheimer Adler nach.

Den Anfang vom professionellen Hockeysport in Mannheim markierte das Jahr 1936. Innerhalb des Mannheimer RC (ein Ruderklub) wurde eine Rollschuhabteilung ins Leben gerufen. Aus dieser sollte schließlich die Eishockeymannschaft hervorgehen. Doch bis dahin waren es noch zwei wichtige Schritte. Zum einen wurde das Eisstadion im Friedrichspark als Spielstätte gewonnen und zum anderen wurde 1938 vereinsintern der “Mannheimer Eis- und Rollsportclub“ (MERC) gegründet. Gleich zum Auftakt nahm der MERC an der deutschen Meisterschaft teil .... und musste gegen den amtierenden Deutschen Meister, den SC Riessersee, klein beigeben. In den folgenden Spielzeiten (1941 bis 1943) kam der MERC jedes Mal bis in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, hatte dort dann aber stets das Nachsehen. 1942 schaffte man es gar bis ins Halbfinale. Da zwei weitere Teilnehmer dieses Halbfinales (EG Wien und SC Riessersee) aufgrund des Krieges keine Mannschaften mehr stellen konnten, zogen der MERC und der LTTC Rot-Weiß Berlin automatisch ins Finale ein. Dieses sollte jedoch nie ausgetragen werden – der von Goebbels ausgerufene, “totale Krieg“ kam dazwischen. Die folgende Meisterschaft, in welcher der MERC auch wieder bereits bis zum Halbfinale vorgedrungen war, wurde wegen des Krieges ebenfalls vorzeitig abgesagt. 1943 wurde das Eisstadion am Friedrichspark durch Bombenangriffe zerstört.
1949 nahm der MERC wieder den Spielbetrieb auf. Wirklich professionell spielte man ab 1951 wieder mit und zwar in der Landesliga Baden Württemberg. 1954 gelang der Aufstieg als Erstplatzierter in die erstklassige Eishockey-Oberliga. Jedoch stieg der MERC nach einer unglaublich schwachen Saison wieder ab (gerade mal einen Punkt konnte man aus allen Spielen mitnehmen). Umso überraschender ist es, dass dem MERC nicht nur der direkte Wiederaufstieg gelang. Auch die Tatsache, dass man in der folgenden Saison plötzlich als Viertplatzierter der Eishockey-Oberliga gut dastand, wusste zu verblüffen. So war der MERC auch 1958 zugegen, als die Eishockey Bundesliga gegründet wurde.
Dort wollte dem MERC immer noch nicht der große Wurf gelingen. Aber immerhin konnten bis 1965 drei Drittplatzierungen in den Abschlusstabellen erzielt werden. 1971 musste man wieder runter in die Zweitklassigkeit. Auch wenn es wirtschaftlich weiter bergab ging (geringer Zuschauerzuspruch, geschröpfter Kader, etc.), konnte der Mannheimer ERC in der zwischenzeitlich gegründeten zweiten Eishockey Bundesliga stets eine gute Rolle spielen und sich unter den ersten fünf Teams platzieren. Der Aufstieg zurück in die Erstklassigkeit sollte jedoch erst 1978 erfolgen. Trainer Hans Weisenbach (seit ’76 im Amt) verbesserte das Team kontinuierlich. 1978 reichte der zweite Platz (im Zuge der Aufstockung der Bundesliga von zehn auf zwölf Teams) zum Aufstieg. Auch in der ersten Liga war Trainer Hans Weisenbach auf die Verstärkung des Teams bedacht. So verpflichtete er deutschstämmige Kanadier und umging so erfolgreich die Ausländerbeschränkungen, sicherte sich aber gleichzeitig fähige Spieler aus dem Ausland. Hinzu kam die überraschende Verpflichtung von Erich Weishaupt, der seines Zeichens gestandener Nationaltorwart war. Mit einem derart verstärkten Team konnte der MERC nun groß auflaufen. Weishaupt wurde in seiner ersten Saison in Mannheim (1979) “Spieler des Jahres“. 1980 gelang es den Mannheimern zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Meister zu werden.
Trainer Hans Weisenbach verlängerte seinen Vertrag jedoch nicht und verabschiedete sich pünktlich zur Meisterschaft aus Mannheim. Es übernahm der Tscheche Ladislav Olejnik. In den Folgejahren hatte der MERC wieder starke, finanzielle Probleme und musste phasenweise mit einem kleinen Kader zurechtkommen. 1981 wurde das Play-off System eingeführt.
Allen finanziellen Defiziten zum Trotz erreichte der MERC prompt einen dritten Platz. In den beiden Folgesaisons gelang sogar jeweils die Finalteilnahme mit anschließender Vizemeisterschaft. Anschließend wurde man wieder Dritter, konnte 1985 aber schon wieder ins Finale der Play-offs kommen. Doch auch die dritte Finalteilnahme in vier Jahren brachte nicht den erhofften, zweiten Meistertitel. Abermals musste man sich mit der Vizemeisterschaft begnügen. Nichts desto trotz ist dies eine reife Leistung, wenn man bedenkt, wie mangelhaft der MERC (wegen der finanziellen Defizite) aufgestellt war. Anschließend verließ Trainer Olejnik den MERC und wechselte nach Rosenheim. Dieser Verlust ging auch mit dem Verlust einiger Leistungsträger einher, sodass man in der Saison 1985/86 bereits im Viertelfinale aus den Play-offs ausschied. Trainer Olejnik kehrte daraufhin zurück und direkt lief es wieder besser für den MERC. In den folgenden drei Saisons schaffte es der MERC jedes Mal mindestens bis ins Halbfinale der Play-offs. Jedoch unterlag man auch jedes Mal dem Kölner EC. Der MERC wurde in diesen drei Saisons Zweiter, Dritter und Vierter. Stagnation auf hohem Niveau, wenn man so will. Anfang der Neunziger verließ Trainer Olejnik die Mannheimer endgültig.
In den Folgejahren gelang es nur noch, sich im oberen Liga-Mittelmaß zu platzieren. In den Play-offs schied man meist bereits im Viertelfinale aus (Ausnahmen: Halbfinalteilnahmen 1992 und 1993). 1994 hatten sich die finanziellen Probleme zu einem Schuldenberg von acht Millionen DM aufgetürmt. Es drohte das Aus. Einsparungen an Spielergehältern in Höhe von 30 % sowie der Verkauf namhafter Leistungsträger wendeten dies schließlich noch ab. In diesem Jahr wurde auch die DEL (Deutsche Eishockey Liga) als neue, höchste Spielklasse gegründet. Der MERC wurde zum Adler Mannheim und nahm die Form einer GmbH und Co KG an. Durch kluge und rasche Einkaufspolitik konnten die Adler ab 1996 kontinuierlich ihre Position in der DEL zementieren. Zwischenzeitlich hatte das Bosman Urteil die bestehenden Ausländerbeschränkungen wesentlich aufgelockert, wodurch man sich schnell starke Neuzugänge sicherte. Von da an stiegen die Adler Mannheim zum deutlichen Rekordmeister der DEL auf. Von 1997 bis 1999 wurde man jeweils Deutscher Meister. In diesem Zeitraum (1998/99) griff SAP Mitbegründer Dietmar Hopp den Mannheimer Adlern unter die Flügel, da diese wieder finanziell (trotz sportlicher Erfolge) auf einem dünnen Ast standen. 2001 wurde man abermals Meister. Einen Tiefpunkt markierte hingegen die Saison 2005/2006. Mit einem zehnten Tabellenplatz waren die Adler zum ersten Mal seit Bestehen der Play-offs (1981) nicht bei diesen dabei. Umso besser verlief dafür die folgende Saison 2006/2007, als man erstmalig das Double holte. Die Adler wurden zum insgesamt sechsten Mal Deutscher Meister und gewannen den DEB Pokal (2003 eingeführt) zum zweiten Mal. Ein solches Double ist bislang noch keinem anderen Team geglückt.
Mit fünf Meisterschaften seit bestehen der DEL sind die Adler Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga. Und abgesehen von dem Ausrutscher anno 2006 hat der MERC/bzw. die Adler diese Favoritenrolle stets zu rechtfertigen gewusst. Wer sowohl die Adler aus Mannheim als auch gute Wettquoten favorisiert, der kann seine sportliche Kompetenz hier bei 888sport gerne auf die Probe stellen.