
Die Frage, ob die Canadiens de Montreal zu den aktuell dominanten Teams der NHL gehören, würde jeder Fan wohl mit “nein“ beantworten. Nichts desto trotz sind die Canadiens de Montreal mit 24 Stanley Cups (23 davon in der NHL) Rekordhalter des Stanley Pokals und somit gewissermaßen auch ein deutlicher Rekordmeister der NHL. Und doch liegt der letzte Erfolg schon eine Weile zurück. 1993 durften die Canadiens de Montreal die Stanley Trophäe zum letzten Mal in den Händen halten. Seitdem ist eine sportliche Durststrecke zu verzeichnen, die von vielen verpassten Play-offs gekennzeichnet ist. Die Canadiens de Montreal bewegen sich aktuell bestenfalls im Liga-Mittelmaß. Und das war wahrhaftig nicht immer so. 888sport erinnert an glorreichere Zeiten.
Im Großen und Ganzen ist der Beginn der Erfolgsgeschichte der Canadiens eng mit dem kommerziellen
Erfolg der NHL verbunden. Dabei wurden die Canadiens selbst als eine Art Notlösung ins Leben gerufen. 1909 kam ein Herr Ambrose O’Brien nach Montreal um dort einen Antrag zu stellen. Er wollte, dass drei Teams (er war Besitzer eines dieser Teams) in die CHA (Canadian Hockey Association) aufgenommen würden. Bislang hatten diese drei Teams in einer eigenen kleinen Liga gespielt. Die CHA lehnte die Aufnahme der drei Teams ab. O’Brien ließ sich nicht beirren und setzte sich mit Jimmy Gardner, dem Besitzer der Montreal Wanderers zusammen. Auch seinem Team war eine Teilnahme an der CHA verweigert worden. Also wollte man kurzerhand eine eigene Liga gründen. Man kam überein, dass es aber noch eines weiteren Teams für dieses Vorhaben brauchen würde. Und zwar sollte es ein Team aus Montreal sein, das sich an die französischsprachige Bevölkerung wandte. O’Brien willigt ein, ein solches Team finanziell zu ermöglichen. Jack Laviolette, der später als General Manager sowie als Spielertrainer für die Canadiens tätig war, wurde dazu auserkoren, das Team, mit finanzieller Unterstützung O’Briens, zu gründen. Die Canadiens wurden geboren. Wer hätte Gedacht, dass dieses “Ergänzungsteam“ über mehrere Jahrzehnte hinweg zur absoluten Supermacht im amerikanischen Eishockey werden sollte?
Man kann das Vorhaben der Herren Gardner und O’Brien durchaus als geglückt bezeichnen. Sie gründeten 1909 mit sieben Gründungsmitgliedern die NHA (National Hockey Association), die in gewisser Weise als Vorläufer der NHL gesehen werden kann. Ein Jahr später konnte die CHA, die Gardner und O’Brien damals abgewiesen hatte, ihren Spielbetrieb einstellen – viele Teams der CHA waren nämlich zur frisch gebackenen NHA “übergelaufen“. Die Canadiens gewannen derweil ihr erstes Ligaspiel gegen die Cobalt Silver Kings mit 7 zu 6 vor heimischem Publikum.
1915/16 gewannen die Canadiens den ersten von 24 Stanley Cups. Damals wurde der Stanley Cup noch unter den Meistern mehrerer Ligen ausgespielt. Erst Mitte der Zwanziger erwarb die NHL den Stanley Cup als exklusive Trophäe. Selbige NHL wurde 1917 gegründet und zwar weil fünf Teams nach internen Streitigkeiten aus der NHA ausstiegen (darunter auch die Canadiens). Sie gründeten die NHL. Eine der treibenden Kräfte hinter der NHL war mitunter George Kennedy (damaliger Besitzer der Canadiens). Im ersten NHL Jahr konnten die Canadiens mit einer starken Mannschaft auf Platz eins vordringen. Doch da waren sie nicht alleine. Sie teilten sich diesen Platz mit den Toronto Arenas. In den Play-offs unterlagen die Canadiens schließlich den Arenas, was insofern interessant ist, da die Toronto Arenas später zu den Toronto Maple Leafs werden sollten, jenem Team, das hinter den Canadiens bis heute die meisten Stanley Cups innehat. Beide Teams sollten sich also noch oft in bedeutsamen Begegnungen gegenüberstehen. Bis heute ist die Rivalität zwischen diesen beiden Mannschaften ungebrochen und jede Begegnung ist ein ganz spezielles Derby.
Beide Teams, die Maple Leafs und die Canadiens haben der NHL ihren Stempel aufgedrückt. Insbesondere die Erfolgsstory der Canadiens ist beeindruckend. Zwischen 1924 und 1993 wurden sie weitere 23 Male den Stanley Cup Gewinner. Bemerkenswert sind dabei die 50er Jahre. Das Team, das die Canadiens damals stellten, gilt (verhältnismäßig betrachtet) bis heute als stärkstes Team, dass jemals in der NHL spielte! Die Canadiens kamen in zehn Jahren jedes Mal ins Play-off Finale um den Stanley Cup und sechsmal gewannen sie ihn auch in dieser Zeit. Aber auch nach dieser dominanten Ära waren die Canadiens noch lange Zeit eine Hausnummer in der NHL. So holten sie von 1965 bis 1979 insgesamt zehnmal den Stanley Cup. Erst danach begann die Dominanz zu bröckeln. Zwei weitere Stanley Cups wurden ab Beginn der Achtziger noch geholt (1986 und 1993).
Etliche Hall of Famer und Legenden der NHL kamen aus den Reihen der Canadiens. So zum Beispiel Maurice Richard, der als erster Spieler 50 Tore in den ersten 50 Spielen einer Saison schaffte. Eine Leistung, die nach ihm nur Mike Bossy, Wayne Gretzky, Mario Lemieux und Brett Hull vollbrachten. Ebenfalls erwähnenswert ist Joe Malone, der in der ersten NHL Saison (1918) 44 Tore für die Canadiens schoss – und das, obwohl damals nur 20 Spiele gespielt wurden (heute sind es 82). Der Rekord von Malone, obwohl ein so früher in der NHL Geschichte, wurde erst 27 Jahre später übertroffen!
Heute fristen die Canadiens ein eher mittelprächtiges Dasein in der NHL. Doch mit 24 Meisterschaften hat man immer noch elfmal öfter als der verhasste Rivale und Zweitplatzierte aus Toronto gewonnen. Die Canadiens liegen also durchaus auf einem dicken Polster, was ihren Rekord anbelangt. Und wer weiß, ob sie nicht irgendwann wieder richtig in Tritt kommen? Vielleicht wissen Sie es. Hier bei 888sport können Sie ihr Voraussicht auf die Probe stellen.