
Die Eishockeyabteilung des ZSKA Moskau ist ein sehr eindeutiges Beispiel dafür, was passiert, wenn eine herrschende, politische Agenda sich mit erfolgreichem Sport zieren möchte.
888sport nimmt die Eishockeyabteilung des ZSKA Moskau genauer unter die Lupe.
Die einstige “Regentschaft“ des ZSKA Moskau als dominant zu beschreiben, ist schon beinahe eine Untertreibung. Von den späten Vierzigern bis zu den späten Achtzigern hatte der ZSKA Moskau quasi das Monopol für Eishockey in Russland inne. ZSKA steht für “zentraler Sportklub der Armee“. Und wie jeder weiß, untersteht eine Armee insbesondere der Regierung. Dieser Umstand war es, der dem ZSKA Moskau zu seinen sportlichen Meriten verhalf. Besonders das Wörtchen “zentral“ war in diesem Zusammenhang von Bedeutung.
Denn in der Tat wurde alles sportliche Hockey-Talent gen Moskau, insbesondere zum ZSKA, zentralisiert. Der Status als Armee-Sportabteilung ermöglichte, dass große Talente einfach zum ZSKA “delegiert“ wurden. Und so war der HK (Hockeyklub) des ZSKA Moskau der absolute Schmelztiegel für jegliches Hockeytalent in Mütterchen Russland. Die Spieler wurden kurzerhand zu Armeespielern umfunktioniert, was auch für die russische Nationalmannschaft bei olympischen Spielen von Bedeutung war (als noch ausschließlich Amateure für die Spiele zugelassen waren).
Seit 1946 wird in Russland um eine nationale Meisterschaft gespielt. Bis 1991 ginge es dabei noch um den Titel des Sowjetischen Meisters (in der sowjetischen Liga). Diesen Titel konnte nie eine Mannschaft erspielen, die nicht aus Moskau kam! Alle “Sowjetischen Meister“ kamen aus Moskau. Doch selbst in dem Kreis dieser “Erlesenen“ nahm der ZSKA eine absolut beherrschende Position ein. Von insgesamt 45 sowjetischen Meisterschaften (1947 bis 1991) erzielte 32 der ZSKA! Das heißt, dass der ZSKA Moskau alleine mehr als doppelt so viele Meisterschaften im sowjetischen Eishockey erspielt hat, wie alle anderen Klubs, die in diesem Zeitraum ebenfalls Meister wurden, zusammen! Außerdem gewann der ZSKA elfmal den sowjetischen Pokal.
Aber auch international war der ZSKA das Maß aller Dinge. Den Europapokal der Landesmeister gewann der ZSKA Moskau 20 mal. Davon konnten 13 europäische Landesmeister Titel hintereinander erspielt werden (von 1978 bis 1990)! Die Qualität, die quasi per Einberufungsbescheid zum ZSKA Moskau geholt wurde, war also von unbestreitbarer Weltklasse.
Doch der Ehrgeiz der kommunistischen Sowjetunion, die USA auch sportlich zu übertreffen, kannte keine Grenzen. Und bezogen auf den Eishockey gelang dies Jahrzehnte lang. Viele namhafte NHL Teams mussten sich dem ZSKA regelmäßig geschlagen geben. Und auch auf internationaler Bühne hatten die USA (meist) das Nachsehen. Dies lag aber daran, da das russische Nationalteam eigentlich aus dem ZSKA bestand. Dies war nicht nur dadurch zu erklären, weil der ZSKA logischerweise die besten Spieler des Landes auf sich konzentrierte, sondern auch dadurch, weil die Spieler des ZSKA einen Soldaten- bzw. Offiziersstatus hatten. Dadurch konnte bei den olympischen Spielen die Beschränkung auf Amateure umgangen werden. Denn die Spieler des ZSKA galten nicht als Profis (obwohl sie offensichtlich welche waren). Mit diesem bürokratischen Winkelzug kamen die Russen lange durch, was ihnen einen Großteil der 7 Goldmedaillen und 22 Weltmeisterschaften (!) einbrachte, die das Hockeyteam der UdSSR erspielte.
Doch so schnell es auch mit der Sowjetunion zu Ende ging, so abrupt stoppte auch der sportliche Erfolg der Hockeyabteilung des ZSKA Moskaus. 1991 wurde zum einzigen Mal in der Vereinsgeschichte der prestigeträchtige Spengler Cup gewonnen. Und seither gewann der ZSKA nichts mehr (man halte sich vor Augen, dass der ZSKA noch ein Jahr zuvor die 13. europäische Meisterschaft in Folge feierte!). Auch wenn die Regentschaft des ZSKA Moskau offensichtlich auf seiner staatlich kontrollierten Übervorteilung fußte, erinnert 888sport an die einstige Glanzzeit dieser “Eishockey Maschine“. Denn auch wenn es keineswegs an sportlichem Schicksal lag, so vereinte der ZSKA Moskau doch über weite Strecken hinweg viele der begnadetsten Spieler ihrer Epochen. Doch wer heute auf den ZSKA Moskau wettet, der muss eher Sport- und nicht Politikexperte sein.