Hertha BSC

Hertha BSC Berlin – die alte Dame der Bundesliga. Alt ist diese Dame auf jeden Fall. Die Wurzeln des Vereins reichen bis ins Ende des 19. Jahrhunderts. 1892 wurde der Verein von Jugendlichen in Berlin gegründet. Und zwar von zwei Geschwisterpaaren: Fritz und Max Lindner sowie Willi und Otto Lorenz (jeweils 16 oder 17 Jahre alt). Da man sich keinem bestehenden Verein anschließen, jedoch am sportlichen Wettstreit mit anderen Mannschaften teilnehmen wollte, war die Gründung eines eigenen Vereins nahe liegend.

Der “BFC Hertha 1892“ wurde aus der Taufe gehoben. Name und Vereinsfarben gehen übrigens auf einen Dampfer namens “Hertha“ zurück, dessen Schornstein blau/weiß gestreift war. Einer der jungen Gründer leitete Namen und Farben aufgrund einer Reise her, die er mit seinem Vater auf diesem Dampfer unternommen hatte. Neben dem Verein gibt es auch den Dampfer bis heute. Zwei Tatsachen, die die Gründer wahrscheinlich erfreuen würden, wenn sie noch unter uns wären.

Zunächst bestritten die Herthaner ihre Spiele auf einem Exerzierplatz an der Schönhauser Allee. Als Umkleide diente eine nahe gelegene Gaststätte. 1905 ging es dann auf den Schebara Platz im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen. Schebara, ein Gastwirt, hatte diesen Platz eigentlich für den BFC Rapide 1893 angelegt. Der konnte sich das Geschäft aber nicht leisten und so sprang der BFC Hertha dankbar ein und übernahm die Pacht. Ein Jahr später feierte Hertha auf dem Schebara Platz die erste Berliner Meisterschaft. In der anschließenden Endrunde um die deutsche Meisterschaft zog man gar bis ins Halbfinale ein, unterlag dort jedoch dem späteren deutschen Meister, dem VfB Leipzig. Der Berliner Ortsteil Gesundbrunnen wurde von vielen auch einfach nur “Plumpe“ genannt und war wohl die Hauptanlaufstelle für Fußball-Berlin. Zumindest spätestens seit 1910. In diesem Jahr schlug der BFC Hertha 92 einen namhaften Klub aus England – Southend United England. Das Besondere daran war, dass Hertha zu jenem Zeitpunkt die erste kontinentale Mannschaft war, die einen Klub von der Insel besiegen konnte.

1923 zogen die Herthaner nach Streitigkeiten mit Schebara an das gegenüberliegende Ende der Straße und schlossen sich dort mit dem Berliner-Sport-Club zusammen (BSC). Hertha BSC war geboren!

Der BSC nannte vor allem eine alte Eisbahn sein eigen, die als Sportplatz diente. Hier sollte der Hertha BSC auf lange Jahre seine Spielstätte haben. Bis 1931 entstand hier ein Stadion, das über 35.000 Leute fasste. 1936 wurden gar einige olympische Fußballspiele auf der Plumpe absolviert. Ende der Zwanziger/Anfang der Dreißiger Jahre war eine der erfolgreichsten Zeiten für den Hertha BSC. Besonders kurios: Von 1926 bis 1929 zog man viermal in Folge in das Finale der Endrunde um die deutschen Meisterschaften ein – und die Herthaner verloren jedes Mal! Man verlor erst gegen die SpVgg Fürth (1926 − 1:4), dann gegen den FC Nürnberg (1927 − 0:2), dann gegen den Hamburger SV (1928 − 2:5) und schließlich wieder gegen Fürth (1929 − 2:3). Doch die Herthaner blieben hartnäckig und zogen auch ein fünftes Mal ins Finale um die deutsche Meisterschaft ein. 1930 bezwang man Holstein Kiel in einem packenden Finale! 5:4 das Endergebnis aus Sicht der Berliner! Ganz Berlin feierte! Nicht minder spektakulär holte Hertha BSC die nächste Meisterschaft nach Berlin – das war im Jahr darauf! Man schlug 1860 München mit 3:2 im Finale. Der Siegtreffer fiel eine Minute vor Schluss! Hertha BSC nahm also von 1926 bis einschließlich 1931 an sechs Finals um die deutsche Meisterschaft in Folge teil, wovon man die letzten beiden gewinnen konnte. Nie wieder sollten die Herthaner derart dominant im deutschen Fußball auftreten. Denn auf die nächste Meisterschaft wartet man in Berlin bereits seit 1931.

Beim Hertha BSC geht's auf und ab

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Plumpe nahezu völlig zerstört. Nach Kriegsende wurde Hertha BSC zunächst zwangsläufig, wie die meisten Vereine in Deutschland, aufgelöst. Unter dem Namen “SG Gesundbrunnen" wurde der Spielbetrieb rudimentär aufrechterhalten 1949 durfte man sich wieder in “Hertha BSC“ umbenennen. 1949/50 war Hertha Mitglied der neu gegründeten Oberliga Berlin. Unter den Berliner Klubs gelang es den Herthanern aber nicht zu dominieren. Zwischenzeitlich stieg Hertha BSC sogar ab. 1957 gelang es jedoch die Oberliga Meisterschaft zu erzielen. In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft scheiterten die Herthaner jedoch vorzeitig. Hertha BSC gelang es auch die letzte Oberliga Meisterschaft zu erringen. Damit war Hertha BSC der Berliner Klub, der sich als Gründungsmitglied der neuen Bundesliga präsentieren konnte. Der Einzug in die Bundesliga brachte auch den Umzug ins Berliner Olympiastadion mit sich, da die Plumpe nicht genügend Zuschauer fasste, um für die Bundesliga zugelassen zu werden. Nach Wiederaufbau fasste die Plumpe nämlich nur noch rund 20.000 Zuschauer. Hätte die Plumpe – wie einst – über 35.000 Zuschauer gefasst, wäre es noch gerade in Ordnung gewesen. Im ersten Bundesligajahr entgingen die Berliner dem Abstieg nur um Haaresbreite. Man wurde Drittletzter, was damals noch gerade für den Klassenerhalt reichte (die Bundesliga umfasste zu jener Zeit nur 16 Vereine.) Im Folgejahr erreichten die Berliner wieder nur den drittletzten Platz. Allerdings erfolgte der Zwangsabstieg in die Regionalliga (damals zweite Spielklasse), da einige Spieler mit Handgeldern zu Hertha BSC Berlin gelockt wurden, was damals noch verboten war. Dies führte zu mehreren Kuriositäten. Es kam zu einem Umdenken und solche Handgelder wurden im Zuge des Skandals legalisiert. Das nutzte den Herthanern freilich nichts mehr. Strafe musste sein! Das andere Kuriosum bestand darin, dass die Herthaner in der Bundesliga durch Tasmania 1900 Berlin ersetzt wurden. Dieser Berliner Klub erwies sich jedoch nicht gerade als würdige Vertretung. Tasmania erzielte in seiner einjährigen Bundesligageschichte ein so schlechtes Endergebnis, wie nie wieder ein anderer Verein und stieg sang- und klanglos ab.
Im selben Maße, in dem Tasmania scheiterte, waren die Herthaner der Konkurrenz der Zweitklassigkeit meilenweit überlegen und brausten zurück an die Spitze. Drei Jahre nach Zwangsabstieg durften die Herthaner in die Bundesliga zurückkehren. Sie beendeten die Regionalliga in allen drei Jahren ihres Zwangsaufenthalts als Erster. Man konnte in der Folgezeit auch in der Bundesliga gute Ergebnisse erzielen. 1970 und 1971 beendete man die Bundesliga jeweils als Dritter. 1975 reichte es zur Vizemeisterschaft und 1978 wurden die Herthaner abermals Dritter. Allerdings waren die Berliner 1971 abermals in einen Bundesligaskandal involviert. Man hatte Bestechungsgelder von Arminia Bielefeld angenommen (Bielefeld wollte damit den Abstieg verhindern). Die Strafen, die darauf folgten, bedrohten den Verein finanziell erheblich, sodass dieser gezwungenermaßen die Plumpe verkaufte. Diese traditionsreiche Spielstätte, die die Herthaner übrigens auch bei ihrem Zwangsaufenthalt in der Regionalliga (1965 bis 1968) genutzt hatten, wich anschließend mehreren Wohnhäusern. Vor dem Angesicht des Kapitalismus zerfällt eben auch Tradition so schnell zu Staub, wie es eine Abrissbirne zu ermöglichen vermag. Schade drum ...
In den Siebzigern konnte man in der Bundesliga meist gute Platzierungen erzielen und auch in den Pokalen glänzen – 1970 scheiterte man erst im Viertelfinale des UEFA Pokals an Inter Mailand (was schon zu jener Zeit keine Schande war). 1979 kam man gar bis ins Halbfinale des UEFA Pokals. Dort hieß die Endstation “Roter Stern Belgrad“. 1977 und 1979 drangen die Herthaner bis ins Finale des DFB Pokals vor. Dort verlor man jeweils mit 0:1 (1977 gegen den FC Köln und 1979 gegen Fortuna Düsseldorf). Doch nach jener Periode begann man auch in Berlin wieder kleinere Brötchen zu backen. Bereits nach 1978 ließen die Ergebnisse in der Bundesliga stark zu wünschen übrig. 1980 ging es runter in die zweite Liga.

Herthaner - Freier Fall und Rückkehr nach oben

Die Herthaner befanden sich buchstäblich im freien Fall. Nach zwei Jahren gelang zwar wieder der Aufstieg in die erste Liga. Doch nach nur einer Saison und einem letzten Tabellenplatz folgte der erneute Abstieg in Liga zwei auf dem Fuße. Drei Saisons später ging es gar runter in die Drittklassigkeit. Erst 1988 gelang der Aufstieg zurück in die zweite Liga. 1990 konnte man endlich wieder Höhenluft schnuppern. Hertha BSC Berlin war in die erste Liga zurückgekehrt! Doch die Freude währte nur kurz. Wie schon beim letzten Mal stieg man wieder direkt ab in die Zweitklassigkeit. Das dauernde Auf und Ab zwischen Mittel- und Unterklasse hatte viele Fans vergrault und so boten die kommenden Heimspiele von Hertha BSC Berlin ein unheimliches Bild. Man stelle sich knapp 3000 Fans vor, die im (für Zweitliga-Verhältnisse) viel zu überdimensionierten Berliner Olympiastadion irgendwie verloren wirken. Berlin verblieb bis 1997 in der zweiten Liga – wäre sogar zwischenzeitlich fast wieder in die dritte Spielklasse abgeschmiert (umso erstaunlicher ist es, dass die Amateurmannschaft der Herthaner 1993 bis ins Finale des DFB Pokals vordringen konnte – dort scheiterte man nach umkämpftem 0:1 an Bayer Leverkusen). Doch gutes Management und eine gute Vermarktungspolitik machten es möglich, dass die Herthaner wieder eine größere Fanbasis erreichten und sich sportlich wieder zu verbessern begannen. Höhepunkt dieser Entwicklung war ein Rekord für die zweite Bundesliga, der bis heute Bestand hat. Im ausverkauften Olympiastadion wohnten 75.000 Fans der Zweitliga-Begegnung zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Kaiserslautern bei! Beide Mannschaften waren auf der Überhohlspur und stiegen in diesem Jahr auf!
Seither konnten sich die Herthaner in der Bundesliga festbeißen und nicht selten durchaus um die oberen Ränge mitspielen. Die alte Dame hat wieder viel von ihrem Charme zurück gewonnen und hat seit ihrem Wiederaufstieg 1997 nur zweimal einen schlechteren Platz als den zehnten belegt ... nämlich den elften – das war 1998 – und den zwölften – das war 2004. Ansonsten rangierten die Herthaner zu Saisonende stets auf den Plätzen 3 bis 6 ... oder eben auf Platz 10 (was aber auch nur zweimal der Fall war). Gegenwärtig spielen die Herthaner wieder oben mit, sind auf dem fünften Platz und haben noch viel Luft nach oben. Wir bei 888sport wissen, dass man diese alte Dame nicht nur ihres Alters wegen ernst nehmen und respektieren sollte. Unsere Wettquoten werden dem ebenfalls gerecht.