
Wenn man auf den aktuellen Leistungsstand und auf die letzten 13 Jahre blickt, dann möchte man nicht meinen, dass Borussia Mönchengladbach nach den Bayern einer der erfolgreichsten Bundesligavereine ist. In der Tat war Borussia Mönchengladbach für eine gute Dekade eine – möglicherweise sogar DIE – Macht im deutschen Fußball. In den Siebziger Jahren sammelten die “Fohlen“ Meistertitel und Erfolge, wie es sonst nur der FCB in seinen erfolgreichsten Perioden vollbrachte. Darunter auch zwei UEFA Pokale! Wie es zum steilen Aufstieg der Borussen und zum anschließenden Niedergang kam, das wollen wir von 888Sport hier näher beleuchten:
Gegründet wurde Borussia Mönchengladbach am ersten August 1900. Damals noch unter dem Namen “Fußballklub 1900 Mönchengladbach“.
14 Jahre später erwarb der Klub das Sportgelände “De Kull“. Hier sollten die Gladbacher noch ihre größten Erfolge feiern. Aus dieser Sportanlage sollte nämlich später noch das legendäre Bökelbergstadion werden. 1919 fusionierte der Fußballklub 1900 Mönchengladbach mit dem Turnverein Germania 1889 zum VfTuR 1889 Mönchengladbach. Obwohl diese Fusion ein Jahr später mit der westdeutschen Meisterschaft einen Erfolg zu feiern hatte, löste sie sich bereits 1921 wieder auf. 1933 wurde eine Fusion mit dem Stadtrivalen, dem 1. FC Mönchengladbach e.V. (ältester Verein im westdeutschen Fußballverband), erzwungen. Dementsprechend war diese Fusion nur von kurzer Dauer und wurde noch im selben Jahr wieder gelöst. Heute spielt der 1. FC übrigens in der Landesliga, war also längst nicht so erfolgreich wie die Borussen.
1949 gelang der Aufstieg in die damals höchste Spielklasse: die Oberliga West. Dort konnte man sich halten, allerdings ohne zu Meisterschaftstiteln zu kommen. Erst 1960 holten die Borussen erstmalig einen Titel von nationaler Bedeutung: den DFB Pokal. Ein erstes Vorzeichen für kommende Erfolge, denn etwas mehr als zehn Jahre später sollten die Borussen den Fußball in Deutschland dominieren. In der Oberliga West konnte man lediglich mit mäßigem Erfolg teilnehmen, was auch der Grund dafür war, dass Borussia Mönchengladbach nicht von Anfang an in der 1963 gegründeten Bundesliga gesetzt war. Der Aufstieg in die Bundesliga gelang jedoch bereits 1965 – gemeinsam mit dem FC Bayern München. Ausgerechnet diese beiden Mannschaften, die gemeinsam aufgestiegen waren, sollte schon bald eine Rivalität verbinden, die die gesamte Bundesliga überschattete. Während der FCB bereits im ersten Jahr nach Aufstieg völlig überraschend Dritter wurde, brauchten die Borussen ein wenig länger, um in Tritt zu kommen.
Doch das gelang dann richtig. 1970 holten die Borussen ihre erste deutsche Meisterschaft und setzten ein erstes Ausrufezeichen, denn da sollte noch mehr kommen. Bereits 1971 holten sie abermals die Meisterschale und schafften somit die erste, erfolgreiche Verteidigung einer deutschen Meisterschaft seit Bestehen der Bundesliga. Doch auch auf internationaler Bühne wirbelten die Gladbacher einiges an Staub auf. Auch wenn der große Wurf 1971 noch nicht gelang. Stattdessen war es ein Büchsenwurf. Im Europapokal der Landesmeister traf Gladbach auf Inter Mailand. Gladbach gewann zwar sensationell mit 7:1, aber der Sieg wurde später annulliert, da ein Spieler Mailands von einer Büchse getroffen wurde. Im Wiederholungsspiel unterlag Gladbach mit 2:4 und schied aus. 1973 zogen die Borussen ins Finale des UEFA Pokals ein. Dort unterlag man jedoch dem FC Liverpool deutlich mit 0:3. Das Rückspiel (damals wurden auch die Finals mit Hin- und Rückspiel gespielt) gewannen die Borussen mit 2:0, was leider nicht für den Gesamtsieg des Turniers reichte. Dafür konnte man sich in diesem Jahr aber zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den DFB Pokal sichern. Im Finale schlug man den ersten FC Köln mit 2:1 nach Verlängerung. In dieser Partie hatte sich Günther Netzer, der im Clinch mit Trainer Hennes Weisweiler lag, in der Nachspielzeit selbst eingewechselt und unmittelbar danach den Siegtreffer erzielt. Aus Gladbacher Sicht dürfte Netzer damit wohl unsterblich geworden sein, auch wenn er in der folgenden Saison bereits in Real Madrid spielte. 1975 gelang es dann auch auf internationaler Bühne erfolgreich zu sein. Gladbach gewann den UEFA Pokal gegen Twente Enschede und sicherte sich die Trophäe. Es folgte außerdem die dritte deutsche Meisterschaft. Sehr kontrovers ging es ein Jahr später im Pokal der Landesmeister zu. Gladbach bekam im Spiel gegen Madrid zwei Tore nicht anerkannt, die aber eindeutig regelkonform waren. Wären die beiden Tore anerkannt worden, wäre Gladbach anstelle Real Madrids ins Halbfinale des Wettbewerbs gekommen.
Dafür konnte man sich später im selben Jahr (1976) mit dem vierten Meistertitel trösten. Mit der Meisterschaft 1977 gewann Borussia Mönchengladbach schließlich den fünften und bislang letzten Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Somit ist Borussia Mönchengladbach neben Bayern München der einzige Verein, der einen Hattrick (drei Meisterschaften in Folge) verbuchen konnte. Im selben Jahr gelang es den Borussen auch bis ins Finale des Pokals der Landesmeister vorzudringen, dort scheiterte man jedoch (wie schon Jahre zuvor in einem UEFA Pokalfinale) am FC Liverpool (1:3). Doch 1979 war es den “Fohlen“ abermals gegönnt, zu internationalem Ruhm zu kommen. Im Finale gegen Roter Stern Belgrad sicherten sich die Gladbacher zum zweiten Mal den UEFA Pokal. 1989 gelang es abermals ins Finale dieses Wettbewerbs zu kommen. Man scheiterte jedoch im rein deutschen Finale an Eintracht Frankfurt.
Von 1970 bis 1980 errang Borussia Mönchengladbach somit zwei DFB Pokale, vier Teilnahmen am Finale des UEFA Pokals (wobei zweimal der Sieg erzielt wurde), eine Finalteilnahme im Pokal der Landesmeister (die man leider verlor), fünf (!) deutsche Meisterschaften sowie zwei deutsche Vizemeisterschaften. So erfolgreich war in so kurzer Zeit sonst allenfalls nur der FCB! Namhafte Spieler, die in dieser Zeit für Borussia Mönchengladbach aufliefen, waren unter anderem: Günther Netzer, Jupp Heynckes, Berti Vogts, Rainer Bonhof, Herbert Wimmer und Allan Simonsen. Jedoch gelang es den Borussen nie mehr an diese goldene Zeit anzuknüpfen. Lediglich 1995, als man zum dritten Mal den DFB Pokal erspielte, konnte man der Vereinshistorie einen weiteren Titel hinzufügen.
Auch wenn (abgesehen von dem DFB Pokal 1995) keine weiteren Titel mehr erzielt wurden, spielten die Borussen auch nach 1980 zunächst noch eine starke Rolle in der Bundesliga.
Man konnte häufig oben mitspielen, verlor aber auch zugleich zunehmend den Anschluss an die Rivalen aus Bayern. Da Mönchengladbach mit dem Bökelbergstadion nicht gerade eine besonders große Arena ihr Eigen nannte, war man finanziell benachteiligt. Zu jener Zeit waren die Einkünfte an der Stadionkasse wesentlichstes, finanzielles Standbein der Bundesligavereine (heute ist das schon längst nicht mehr so). Deshalb mussten immer wieder wichtige Spieler verkauft werden, um dieses finanzielle Defizit auszugleichen. Besonders kurios war dies im Fall von Lothar Matthäus. Im Pokalfinale 1984 stand man dem Rivalen aus Bayern im Finale gegenüber. Es kam nach dem Stand von 1:1 nach Verlängerung zum Elfmeterschießen. Bayern gewann dort 7:6. Glückloser Schütze auf Gladbacher Seite: Lothar Matthäus, der in der folgenden Saison bei Bayern München spielte (was viele Fans der Borussia natürlich sehr verdächtig fanden). Matthäus musste seither Schmährufe über sich ergehen lassen, wann immer er im Bayern Trikot in Gladbach auflaufen musste.
Zu Beginn der Neunziger konnten die Gladbacher einen Abstieg noch abwenden. Bis zur Mitte der Neunziger erstarkten die Gladbacher wieder, was in ein verlorenes Pokalfinale 1992 (gegen Zweitligist Hannover 96) und den Pokalerfolg von 1995 (gegen Wolfsburg) mündete. Danach ging es jedoch endgültig abwärts. Man spielte zunehmend gegen den Abstieg, was 1999 jedoch nicht mehr gelang. Es folgte der erste Abstieg in Liga zwei. Zwei Saisons später gelang der Wiederaufstieg, sodass man ab 2001 wieder erstklassig war. 2004 schaffte man es auch wieder bis ins Halbfinale des DFB Pokals, scheiterte dort jedoch an Alemannia Aachen. Mit Ende der Saison 2004 wurde auch der Spielbetrieb im Bökelbergstadion eingestellt. Ab Beginn nächster Saison spielte man fortan im neu errichteten Borussia-Park. Jedoch brachte das neue Stadion keinen nennenswerten, sportlichen Aufschwung mit sich. Gladbach spielte bestenfalls im Mittelmaß mit und musste 2007 sogar abermals absteigen. Jedoch gelang der Wiederaufstieg direkt.
Diese Saison laufen die Gladbacher mit Trikots auf, die optisch stark an jene Trikots aus den goldenen Siebzigern erinnern. Bislang scheint dieser Voodoo jedoch wirkungslos. Gladbach muss bislang ganz klar wieder gegen den Abstieg spielen und ist arg im Hintertreffen. Glauben Sie an das Karma alter Zeiten? Hohe Wettquoten sind bislang das Einzige, was bezogen auf die Borussia aus Gladbach sicher ist. 888sport wünscht diesem Traditionsverein alles Gute und Ihnen ein glückliches Händchen für Ihre Sportwetten.